Frank Schirrmacher (1959-2014)

Ich bin unendlich traurig, voller Sorge und wütend auf mich selbst. Am Donnerstag ist viel zu früh Frank Schirrmacher verstorben. Ich hatte nie das große Glück, Frank Schirrmacher persönlich zu treffen. Im letzten Jahr hatten wir uns auf ein kleines Gespräch abseits einer Veranstaltung in Hamburg verabredet, an der er teilnahm. Ich habe abgesagt, weil ich arbeiten musste, ich hatte es versäumt, rechtzeitig Urlaub einzureichen. Heute fühlt es sich an, als hätte ich einen Freund verraten und eine wunderbare Chance verpasst, die das Leben nicht all zu oft bereit hält.

Ich glaube, Frank Schirrmachers große Gabe war es, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Ich lese viele Nachrufe von Menschen, die das Glück hatten, ihn persönlich zu treffen und in jedem Bericht sehe ich mich selbst wieder. Wir haben ein Telefonat miteinander geführt, der Rest des Kontakts beschränkte sich auf die private Nachricht via Twitter. Ich hatte ihn und die FAZ wegen dem Leistungsschutzrecht kritisiert, das Gesetz stand kurz vor der Verabschiedung durch den Deutschen Bundestag. Während die gesamte Netzgemeinde, Verlage und Zeitungen diskutierten, war Frank Schirrmacher, wie eigentlich immer, einen Schritt weiter.

Schon im zweiten Satz kam die Gegenfrage – die nach dem Manchester-Kapitalismus Googles. Das Leistungsschutzrecht, obwohl noch nicht verabschiedet und aller Munde, war für Frank Schirrmacher schon die Vergangenheit. Viel wichtiger war die Zukunft, die Auswirkung auf den Menschen und unsere Gesellschaft.  Das hat ihn bereits beschäftigt, als andere über “kleine” Dinge wie Netzsperren und Vorratsdatenspeicherung diskutiert haben. Diese große Gabe, immer ein, zwei Schritte weiter zu denken, machte ihn zu einem der größten Publizisten und Denker unserer Zeit.

Wenn ich heute lese, wie Frank Schirrmacher seinen Mitmenschen gegenüber begegnete, seien es Mathias Döpfner, Günther Jauch und viele Andere, so denke ich an unser Gespräch zurück, der Blogger und der Mitherausgeber der FAZ. Er ist mir während des gesamten Gespräches auf Augenhöhe begegnet, zeigte echtes Interesse, stellte Fragen auch über mich als Person, forderte mich, in dem er das Gespräch auf die Zukunft lenkte – und als er das Gespräch spät in der Nacht beendete, mit den Worten, seine Redaktion würde ihn in vier Stunden erwarten, fiel es mir schwer, mich zu verabschieden. Frank Schirrmacher gehörte zu den Menschen, mit denen man endlos sprechen, diskutieren oder streiten konnte. Nicht nur der Publizist Frank Schirrmacher hat es immer wieder geschafft, meinen Horizont zu erweitern. Insbesondere hat es der Mensch Frank Schirrmacher geschafft.

Frank Schirrmacher wird eine große Lücke hinterlassen: Als Mitherausgeber der FAZ; der Tod Schirrmachers und seine Nachfolgeregelung wird für die FAZ eine genauso große Herausforderung sein, wie die Umbrüche in der Medienbranche selbst. Die Netzgemeinde verliert ihren größten Fürsprecher und Mahner zugleich. Ich habe in den letzten Tagen oft überlegt, ob man einen Menschen als Freund bezeichnen kann, den man leider nie persönlich getroffen hat. Ich behaupte: ja. Frank Schirrmacher war unser aller Freund. Er war ein Menschenfreund, mit großem Herzen, ein Mensch, der immer das Beste aus seinem Gegenüber ziehen wollte. Ein Mensch, der die Zukunft besser machen wollte. Unsere Zukunft.

Viele Menschen trauern in diesen Tagen: Ob man ihn persönlich kannte oder nicht. In allen Worten liest man heraus, dass ein Freund von uns gegangen ist. So sehr ich Frank Schirrmacher schon jetzt vermisse: Meine tiefe Anteilnahme gilt seiner Familie, seiner Frau und seinen beiden Kindern, die er über alles geliebt hat. Es tut mir aufrichtig leid. Mir persönlich bleibt zum Schluss nur ein Satz:

Danke, lieber Frank Schirrmacher.

Autor: Christian Sickendieck

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