Mein Problem mit den #PanamaPapers

Vor gut einer Stunde wurden die sogenannten PanamaPapers veröffentlicht. 400 Journalisten haben weltweit über ein Jahr recherchiert und Dokumente gesichtet. 2,6 Terabyte Daten, 11,5 Millionen Dateien. Viele Mächtige finden sich in den Unterlagen, Putin, Asad, die FIFA. Nicht wirklich überraschend, aber sehr gut, dass nun die Politik unter Druck geraten wird, Offshore-Firmen und Steuerparadise weiter zu schließen. Eine sensationelle Leistung aller beteiligten Medien. Im Moment sind die Folgen noch nicht abzuschätzen.

Und doch habe ich ein Problem mit einer bestimmten Herangehensweise: Bei vielen Staatsoberhäuptern und anderen Prominenten ist vom Vater, der Schwester, vom besten Freund die Rede. So offensichtlich diese Verbindungen zu sein scheinen, darauf hätte man lieber verzichtet. Sippenhaft war noch nie Bestandtteil eines funktionierenden Rechtsstaats und wird es nie sein. Die Medien sollten besser sein, als die, die sie anklagen. ich bin sicher, die  Dokumente geben genug her.

@egghat erwiderte auf meinen Einwand: “Aber das ist das Vitamin B der 1%. Quasi wie der Link im Internet”, und verweist auf einen großartigen Artikel von Günther Hack. So sehr ich diese Argumentation nachvollziehen kann, so sehr möchte ich darauf antworten: Wir übernehmen auch nicht für jeden Link auf unseren Webseiten, für jeden Link, den wir auf Facebook oder Twitter teilen, die Verantwortung. Vielleicht wurde es noch nicht veröffentlicht, aber der Geldfluss selbst ist noch nicht nachgewiesen worden. Zumindest zu den Mächtigen, bei denen vom Vater, der Schwester, vom besten Freund gesprochen wurde.

Gerade wir in Deutschland sollten mit der Sippenhaft enorm vorsichtig sein. Dass ein Putin ein Despot, vielleicht sogar ein Massenmörder ist, geschenkt. Für Kritik braucht es aber keine Briefkastenfirma seines besten Freundes und Patenonkels seiner Tochter. Wir sind besser als das. Und ich bin sicher, jeder beteiligte Journalist ist besser als das, was da, vielleicht im Überschwang, passiert ist. Ich denke, an diesem Punkt, sollten da nicht noch Veröffentlichungen folgen, ist ein Riesenfehler gemacht worden.

We are better than that…

Autor: Christian Sickendieck

Hallo, mein Name ist Christian Sickendieck und hier wird über Gott und die Welt gebloggt. 2006 habe ich mit einem guten Freund zusammen F!XMBR gründet; F!XMBR war seinerzeits eines der meistgelesenen und -verlinkten Weblogs im deutsprachigen Internet. Nun also hier.

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2 Kommentare

  1. Das Problem wäre aber: Wenn wir solche Links, die du mit einigem Recht „Sippenhaft“ nennst, nicht verfolgen würde, wäre Tarnung das einfachste der Welt.

    Wir müssen diese Links, die Verbindungen IMHO nennen, auch wenn das unter Umständen kritisch sein könnte. Wer eine gute Begründung hat, kann sich wohl wieder rehabilitieren. Wer sich nicht distanzieren will oder kann, an dem wird der Makel haften bleiben.

    Was mich eher wundert: Viel Neues ist doch eh nicht dabei. Putin, Poroshenko, Katar, Saudi Arabien, … Alle werden seit Jahren in Verbindung mit Schwarzgeld, Geldwäsche und Steueroasen genannt. Bei Putin habe ich auch vor den PanamaPapers schon Milliarden Summen gehört.

  2. Was mich eher wundert: Viel Neues ist doch eh nicht dabei. Putin, Poroshenko, Katar, Saudi Arabien, … Alle werden seit Jahren in Verbindung mit Schwarzgeld, Geldwäsche und Steueroasen genannt. Bei Putin habe ich auch vor den PanamaPapers schon Milliarden Summen gehört.

    Das hat mich auch als erstes gewundert. Selbst Mascolo hat in seiner ersten Rede gerade bei Anne Will damit begonnen, dass sich dort praktisch alle Skandale der letzten Jahre finden lassen. Nothing new…

    Wo ist jetzt die Überraschung?

    Wer eine gute Begründung hat, kann sich wohl wieder rehabilitieren. Wer sich nicht distanzieren will oder kann, an dem wird der Makel haften bleiben.

    Ich kann Deinen Gedanken sehr gut folgen, allerdings hier auch ein kleiner Hinweis: Es darf nicht dazu führen, dass „Angeklagte“ ihre Unschuld beweisen müssen.