Warum Edward Snowden die falschen Daten veröffentlicht hat

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Wir leben in der Post-Snowden-Ära. Vor einem Jahr noch wurden Mitglieder des Chaos Computer Clubs, obwohl der CCC selbst mittlerweile hohe gesellschaftliche Akzeptanz genießt, zumeist als Verschwörungstheoretiker verunglimpft. Seit den Enthüllungen von Edward Snowden, Glen Greenwald und anderen ist selbst in der deutschen Politik angekommen: Nichts ist in der weltweiten Überwachung unmöglich. Und doch wird sich nichts ändern, es wird kein Kampf gegen die allgegenwärtige Überwachung geführt. Es wird ein Kampf um die Akzeptanz und Notwendigkeit der Überwachung geführt, sie ist notwendig, um gegen Terrorismus, Kinderpornografie und schweren Verbrechen zu obsiegen. Edward Snowden hat Großes geleistet und seine gesellschaftliche Existenz geopfert. Und doch hat Snowden die falschen Daten veröffentlicht.

Nicht, dass überwacht wird, ist von entscheidender Bedeutung, sondern: Was wird wie überwacht? Das Handy der Bundeskanzlerin wurde über Jahre abgehört. Das ist keine Überraschung, außer vielleicht für Politiker wie Roland Pofalla oder Volker Kauder. Interessant wäre jedoch, was aufgezeichnet wurde. Für die Menschen muss greifbar gemacht werden, was im Hintergrund geschieht. So ein Leak wäre viel effektiver gewesen, als die Tatsache, dass abgehört wird.

Die „BILD“-Zeitung ist nicht ohne Grund erfolgreich. Menschen suchen auf komplexe Anliegen einfache Antworten, es muss bildlich gemacht werden. Wer kann sich noch an die AOL-Search Logs erinnern? Zuerst waren es einfach ein paar Dateien, dann mussten Menschen feststellen, dass Journalisten recherchierten und aufgrund ihrer Suchbegriffe ihre vermeintlichen Schwächen und Krankheiten herausfanden. Kurze Zeit später hatten sie mit Print und TV Interviewtermine.

Muss es also zum großen Knall kommen? Ja, davon bin ich mittlerweile überzeugt. Hätte Snowden die Gesprächsinhalte und E-Mails der Bundeskanzlerin veröffentlicht, wäre er genauso als Krimineller verunglimpft worden, wie es die Bundesregierung auch so getan hat. Der Unterschied wäre jedoch gewesen: Für die Menschen wäre auf einmal die Überwachung selbst greifbar gewesen. Und auch die Presse hätte anders reagiert, wären auf Wikileaks die E-Mails der Chefredakteure dieser Welt öffentlich einsehbar.

Das Internet ist nicht kaputt.

Snowden hat bekannt gemacht, was Eingeweihte sowieso wussten. Die Bürgerinnen und Bürger schauen der Diskussion im Allgemeinen desinteressiert zu, man hat ja nichts zu verbergen. Die Welt, unsere Gesellschaft braucht mehr Snowdens, mehr Leaks. Was wir brauchen, ist ein großer Knall, eine Veröffentlichung von persönlichen und privaten Daten hochrangiger Politiker, Journalisten und Persönlichkeiten. Und bevor wir uns falsch verstehen: Nicht aus privaten Quellen, sondern aus Geheimdienstquellen. Vielleicht kommt es dann bei der sogenannten Elite zum Umdenken. Und die Menschen werden allgemein verstehen, was Überwachung bedeutet. Das Internet ist nicht kaputt. Es ist unsere Gesellschaft. Es ist unsere hasenfüßige Politik. Es ist die Schattengesellschaft Geheimdienst. Freiheit bedeutet Mut. Wenn wir in einer freiheitlichen Gesellschaft leben, dann gilt zu allen Zeiten, was der norwegische Präsident Jens Stoltenberg auf die Anschläge von Utøya geantwortet hat:

Our response is more democracy, more openness, and more humanity. But never naivety. No one has said it better than the Labour Youth League girl who was interviewed by CNN: “If one man can create that much hate, you can only imagine how much love we as a togetherness can create.”

Autor: Christian Sickendieck

Hallo, mein Name ist Christian Sickendieck und hier wird über Gott und die Welt gebloggt. 2006 habe ich mit einem guten Freund zusammen F!XMBR gründet; F!XMBR war seinerzeits eines der meistgelesenen und -verlinkten Weblogs im deutsprachigen Internet. Nun also hier.

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